Die Ursachen der Hämoglobinurie sollen bei der Darstellung der Windrehe erörtert werden. — Das Auftreten von Blut im Harn ist auf eine Hämorrhagie der Blase oder der Nieren zurückzuführen. In Aus­nahmefällen kann das Blut aus den Ureteren oder aus der Urethra männlicher und castrirter männlicher Pferde stammen. In der Regel ist bei der Hämaturie das Blut gleichmässig mit dem Harn vermischt; ich habe aber bei Blasenblutung eines Pferdes beobachtet, dass zuerst ziemlich heller und klarer Harn entleert und darauf unvollständig ge­ronnenes Blut ausgeschieden wurde. Beim Stehen des bluthaltigen Harns bildet sich nach mehreren Stunden mitunter ein Coagulum von Fibrin. Immer enthält ein solcher Harn in grosser Zahl rothe Blutkörperchen.

Wenn der Harn eines Pferdes nur in geringerem Grade rothgefärbt erscheint, so kann der mikroskopische Nachweis von dem spärlichen Befunde rother Blutkörperchen in demselben nicht auf eine Gefässruptur in den Harnwegen bezogen werden. Bei einer schweren parenchymatösen Nephritis, wie dieselbe die acuten infectiösen und toxischen Krankheiten oft begleitet, vollzieht sich per Diapedesin der Uebergang von rothen Blutkörperchen in den Harn.

Zu den normalen Bestandtheilen des Harns gehört das Ohlornatrium.. Dasselbe ist durch Zusatz einer lOproc. Lösung von Argent. nitr. nach­zuweisen. Bei fieberhaften Krankheiten, namentlich bei der Brustseuche, vermindert sich auch bei Pferden, ebenso wie bei den analcjggti heiten des Menschen, der Gehalt des Harns an Kochsalz. Mithin lass des Fiebers steigt der Kochsalzgehalt wieder. Für die thisrärztlicrie Praxis hat indess diese Thatsache keine erhebliche Bedeutung, weil "die; ' günstige Wendung im Krankheits verlaufe sich nach anderweitigen Er­mittelungen viel leichter und mit ausreichender Sicherheit nachweisen . lässt. Auch ist bei der Brustseuche die Zunahme des Kochsalzgehaltes im Harn am 7.—8. Krankheitstage noch kein unzweifelhaftes Merkmal der Genesung, weil trotzdem durch die ßrustaffection der Grund zu einem tödtlichen Folgeleiden gelegt sein kann.

Eine Prüfung des Harns auf Zucker ist bei den Pferdekrankheiten ohne praktisches Interesse. Denn bislang ist keine einwandsfreie Beob­achtung über das Vorkommen der Meliturie bei Pferden gemacht worden. Die entgegenstehenden Angaben in der Literatur erklären sich dadurch, dass die Untersuchung des Harns auf Zucker durch die Trommer'sche Probe keine ganz sicheren Resultate liefert und dass demnach die Be­funde irrthümlich gedeutet worden sind.

Gallenfarbstoff, der durch die Gmelin'sche Probe nachgewiesen wird, habe ich nur in einem Falle bei einem Pferde, welches an Icterus gravis (Lupinenkrankheit) litt, gefunden. Die in der hiesigen Klinik sehr oft untersuchten Harne von Pferden, welche an Brustseuche, Pferde­staupe oder an acuten toxischen Krankheiten litten, haben in keinem Falle einen Gehalt an Gallenfarbstoff erkennen lassen.


ENDE

Krankheiten des Pferdes
Nach klinischen Erfahrungen
Dieckerhoff, 1885

Bearbeitet von Ron B. Täubert, Pferdeliebhaber aus Wiesbaden/Hessen

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