Eine breiartige oder flüssige Consistenz erlangen die Excremente bei oberflächlichen Reizungsprocessen in der Darm Schleimhaut. Die ursäch­lichen Bedingungen derselben können sehr verschieden sein und werden bei der Krankheitsgruppe der Diarrhoe ihre Besprechung finden. Diar­rhoische Fäcalstoffe setzen sich aus dem Nahrungsbrei und den Trans­sudaten der Darmschleimhaut zusammen. Je mehr die letzteren präva-lir"en, um so gefährlicher ist die Diarrhoe. Durch diarrhoische Ent­leerungen werden in der Regel das Schweifhaar und die Hinterschenkel beschmutzt, was bei der Befunderhebung zur richtigen Beurtheilung des Krankheitszustandes einen Anhalt bieten kann. Excremente von brei-förmiger oder flüssiger Consistenz haben oft eine schmutzig braune oder dunkelbraune, verwaschene Färbung, was durch Abscheidung von Blut oder blutfarbstoffhaltiger Flüssigkeit in der Darmsehleimhaut verursacht wird (hämorrhagischer Darmkatarrh). Eine solche Diarrhoe besteht ge­wöhnlich bei eiterig-jauchiger Blutvergiftung, kommt aber auch bei der Pferdestaupe und bei sporadischen schweren Infectionskrankheiten vor. — Reich an Darmepithelien und in Folge dessen von missfarbenem Ansehen und üblem Geruch sind die diarrhoischen Excremente beim soge­nannten colliquativen Durchfall, namentlich bei ichorrhämischer Intoxi-cation, aber auch nach der Verabreichung von drastischen Abführmitteln (Oalomel, Aloe) in toxischen Dosen.

Die Ausscheidung von zähem, dicklichem oder eiterähnlichem Schleim aus dem Mastdarm ist die Folge eines Katarrhs in der Schleimhaut des letzteren. Der Zustand kann in einer selbständigen Erkrankung des Mastdarms (Mastdarmentzündung, Mastdarmkatarrh) beruhen oder mit dem als Theilerscheinung allgemeiner Krankheiten entstehenden Darm­katarrh verbunden sein. Die Bedeutung der Erscheinung ist hiernach sehr ungleich. Im Allgemeinen kann die anhaltende Ausscheidung von schleimigen Materien aus dem Mastdarm als ein ungünstiges Symptom gelten, während die einmalige oder auch die nach unregelmässigen längeren Intervallen sich wiederholende Entleerung von zähem, etwas glänzendem Schleim, der den Fäcalstoffen äusserlich anhaftet, irrelevant ist. Reines, dunkelrothes, flüssiges oder unvollständig geronnenes Blut wird bei Darmblutungen (Berstung eines venösen Gefässes der Dickdarm­schleimhaut) entleert. Geringe Quantitäten von Blut kommen auch bei Mastdarm-Rupturen zur Ausscheidung.

Normalmässig soll der After sich nur bei der Entleerung von Darm-excrementen und Darmgasen öffnen, sonst durch den Tonus des Sphincter Ani geschlossen sein. Aeltere Stuten zeigen oft eine Erschlaffung des Diaphragma Pelvis und mit derselben die Einziehung des Afters in die Beckenhöhle. Durch Atonie des Spimicter öffnet sich der After hierbei oft so weit, dass Luft in den Mastdarm eindringen kann. In der Regel hat dieser Zustand keine üblen Folgen, obwohl er oft einen leichten Katarrh in dem Endstück des Mastdarms verursacht. — Im Verlaufe schwerer diarrhoischer Zustände bewirkt der Mastdarmkatarrh vorüber­gehend eine Erschlaffung des Sphincter und Oeffnung des Afters. — Bei den schweren Arten der Diarrhoe (Folgeleiden der Pferdestaupe und anderer Infectionskrankheiten, ferner bei toxischer Wirkung der Drastica), besteht oft eine schmerzhafte Empfindung in der Partie des Afters (After­zwang, Tenesmus), welche die Pferde zum häufigen Drängen auf den Mastdarm zwingt, wenn auch keine Fäcalstoffe zur Ausscheidung vor­handen sind.


9. Harnapparat.

Der in den Nieren secernirte Harn (Urin) wird zunächst in der Harnblase bis zu massiger Anfüllung der letzteren gesammelt und dann ausgeschieden. Gesunde Pferde entleeren die Blase durchschnittlich inner­halb 24 Stunden 5—6 Mal. Beim Genuss wasserreicher Nahrungsmittel und nach der Aufnahme diuretisch wirkender Substanzen (Kochsalz) wird von manchen Pferden 7 — 8 Mal täglich und selbst noch öfter Harn gelassen.

Das hier als bekannt vorausgesetzte Verhalten der Pferde bei der Harnentleerung ändert sich in Folge abnormer Zustände in den Harn­organen. — Die Hyperästhesie der Urethra veranlasst die Pferde, oft und anhaltend auf die Ausscheidung zu drängen, wobei jedesmal nur eine geringe Menge und oft kein Harn abfliesst. In gleicher Weise zeigt sich bei manchen Arten der Kolik ein vergeblicher Drang auf den Harn, was theils auf nervöse Einflüsse, theils auf die Belastung der Blase durch krankhaft erweiterte Darmpartien zurückzuführen ist. Oft ist bei kolik­kranken Stuten der Drang auf den Harn durch den Unverstand verur­sacht, mit welchem reizende Substanzen (gepulverter Pfeffer oder Ingwer) auf die Schleimhaut des Scheidenvorhofs gebracht wurden. Acute In-, fectionskrankheiten mit typischem Verlauf sind während der kritischen Harnausscheidung oft von Drang auf den Harn begleitet. Aehnlich ver­halten sich einzelne Pferde, die an Hämorrhagia vesicalis oder an Cystitis leiden.

Manche Hengste, mehr aber die Wallachen halten aus übler Ange­wohnheit im Beginn der Harnentleerung den Penis in der Vorhaut zu-, rück, so dass der Harn aus letzterer strudeiförmig abfliesst. Erst im Verlaufe der Entleerung wird der Penis aus der Vorhaut gestreckt. — Wenn die Vorhaut in Folge chronischer Entzündung und Ulceration ver­engt ist, so wird die Ausstreckung des Penis unmöglich und der Harn fliesst über die corrodirte Vorhaut ab. — Die Ausscheidung des Harns in einem abnorm dünnen Strahl bei Hengsten und Wallachen ist in der Kegel durch eine schmerzlose Auflockerung der Harnröhren-Schleimhaut verursacht, in vereinzelten Fällen auch durch einen Harnröhrenstein. — Oontinuirliches Abtröpfeln des Harns (Incontinentia Urinae) bei Hengsten und Wallachen, ähnlich auch bei Stuten, wird durch paretische Zustände des Blasenhalses, namentlich in Folge der reizenden Wirkungen von Blasensteinen und Blasengries bedingt.

Die Untersuchung des Harns nach Quantität und Qualität hat für die theoretische Erklärung des Verlaufes mancher Krankheiten ein hervorragendes Interesse, kann aber für die Zwecke der Diagnostik in der thierärztlichen Praxis auf die wichtigsten Momente beschränkt wer­den. In der nachfolgenden Darstellung sollen deshalb nur die letzteren eine .Berücksichtigung finden. Für das weitere Studium der Harnanalyse verweise ich auf Siedamgrotzky-Hofmeister, Mikrosk. und ehem. Diagnostik. 2. Aufl. 1884.

Obwohl einige Eigenschaften des Harns schon bei der Entleerung wahrgenommen oder nach den Angaben der Wärter beurtheilt werden können, so ist doch für die genauere Ermittelung seiner Beschaffenheit das Auffangen einer massigen Quantität unerlässlich. Hierzu wird am besten nach der altgeübten Methode ein geeignetes Gefäss im Stalle be­reit gehalten und ein Wärter beauftragt, dasselbe beim Harnlassen des Pferdes zu füllen. Die vollständige Sammlung der in einer bestimmten Zeit secernirten Harnmenge macht die Application eines Harn beuteis, wie ihn Haubner zuerst empfohlen hat, nothwendig. Die Harnmenge unter­liegt nach der Grösse der Pferde, dem Wassergehalt der Nahrung, der grösseren oder geringeren Wasserausscheidung durch die Haut, die Lungen oder den Darm (Durchfall) erheblichen Modificationen. Grössere Pferde entleeren bei dauerndem Aufenthalt im Stalle und bei der am meisten üblichen Fütterungsart pro Tag 4—6 Liter Harn. Bei kleineren Pferden ist das Quantum geringer ("2,50—4,0 Liter). Die Berechnung der normal-massigen Harnmeuge nach dem Lebendgewicht der Pferde liefert kein brauchbares Resultat, weil mit der Zunahme des Nährzustandes das Körpergewicht erheblich steigt, die ausgeschiedene Harnmenge aber des­halb nicht grösser wird. — Die tägliche Menge des Harns vermindert sich bei schweren fieberhaften Krankheiten bis auf die Hälfte des nor­malen Quantums und zuweilen noch darüber hinaus. — Eine krankhafte Vermehrung der Menge ist stets mit grösserem Wassergehalt des Harns verbunden; sie kommt vor bei acuten Infectionsfiebern mit typischem Verlaufe im Stadium der Krisis; am meisten aber beim Lauterstall (Polyurie).