Bei schweren inneren Krankheiten werden oft vom Rauffutter nur einzelne Halme und vom Körnerfutter nur kleine Partikel aufgenommen. Dann erzeugen die Thiere nicht selten mit den Kauflächen der Back­zähne ein hartes Reibungsgeräusch (Zähneknirschen). In der früheren Zeit wurde dies Symptom als Merkmal einer gefahrvollen Wendung im Krank­heitsverlauf gedeutet, was thatsächlich unbegründet ist. Richtig ist aber, dass dasselbe bei lebensgefährlichen Krankheiten oft beobachtet wird.Schlucken. De norma kommt niemals von dem gekauten Putter etwas aus den Nasencavitäten zurück. Wohl aber beobachtet man bei sehr gierigem Trinken sonst ganz gesunder Pferde, dass das Wasser nicht vollständig verschluckt wird und dass eine geringe Quantität aus den Nasenöffnungen wieder abfliesst. Eine Störung des Schluckens wird am meisten bei entzündlichen Zuständen in der Rachenhöhle beobachtet. Pharyngitis simplex für sich allein oder in Verbindung mit Laryngitis simplex; ferner Angina symptomatica bei Druse, Scalma, Blutflecken-krankheit, auch bei subacutem Rotz; endlich Druck auf den Schlund­kopf durch retropharyngeale Abscesse oder Geschwülste können die Ver­anlassung dafür abgeben, dass die zerkauten Futterstoffe nicht vollständig verschluckt werden. Wegen des bei Pferden bekanntlich sehr langen Velum entleert sich das Putter oder das Getränk, welches in die Rachen­höhle gelangt aber nicht verschluckt wird, nicht aus dem Maul, sondern aus der Nase nach aussen. Das bedingende Moment für das Unvermögen des Schluckens liegt in der Regel darin, dass das Velum in Folge der entzündlichen Schwellung die Choanen nicht vollständig abschliessen kann. Nach dem Grade der Schlundkopfsentzündung ist die Quantität der aus der Nase entleerten Futterpartikel verschieden. Oft besteht das Deject fast ganz aus Speichel mit einer geringen, zuweilen kaum er­kennbaren Beimischung von klein zerkauten Pfianzentheilchen (Heu, Grünfutter), von Körnerfutter oder Kleie etc. Nicht selten fliesst aber aus beiden Nasenhöhlen so viel breiförmiges, mit Speichel durchsetztes Futter wieder zurück, dass die Ränder der Naseneingänge vollständig verklebt erscheinen. — Mit einer schwereren Entzündung der Rachen­organe, besonders bei der Angina phlegmonosa, beim Morbus maculosus, beim Tetanus und bei anderen Leiden, erlischt bei Pferden oft für kürzere oder längere Zeit die Empfindlichkeit der sensiblen Nerven des Kehl­kopfs, so dass die in den Pharynx gebrachten flüssigen Substanzen zum Theil in die Luftröhre herabfliessen und in derselben durch den In- und Exspirationsstrom auf- und abbewegt, auch durch den Husten wieder ausgeworfen werden. Von dieser Thatsache überzeugt man sich sehr leicht nach der Ausführung der Tracheotomie bei den mit den ange­deuteten Krankheiten behafteten Pferden. Durch die Trachealwunde oder durch den Tracheotubus entleert sich nehmlich ein Theil der bei Behinde­rung des Schluckens in die Trachea gelangten Flüssigkeiten. — Die bei Pferden allerdings nur selten vorkommende selbständige Schlundkopfs-Lähmung kann mehrere Wochen, selbst Monate lang das Schluckver­mögen erheblich beschränken, so dass bei jeder Futteraufnahme ein Theil des Materials aus der Nase zurückkommt.

In diagnostischer Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass bei einer Verstopfung des Schlundes, bei einer Geschwulst oder einem Divertikel in demselben und beim Erbrechen ebenfalls Futterstoffe durch die Nase entleert werden. Indess bieten die Affectionen des Pharynx so viele auffällige Merkmale, dass die Störungen des Schluckens von den hier an­gedeuteten Vorgängen leicht zu unterscheiden sind.

Bauchumfang. Nach dem Umfange des Bauches lassen sich bei Pferden nur wenige diagnostische Gesichtspunkte gewinnen. Denn schon bei voller Gesundheit unterliegt die Weite des Bauches sehr erheblichen Schwankungen, so dass die Aufstellung von Durchschnittsmassen nicht thunlich ist. Eine Ansammlung von Flüssigkeit im Bauchfellsack be­dingt keine auffällige Vergrösserung des Bauchumfangs. Ich habe mich hiervon zu wiederholten Malen überzeugt bei der Section von Pferden, bei welchen 12—15 Liter Blut oder eine noch grössere Menge von Dick­darminhalt (nach Darmruptur) oder 20 Liter seröses Exsudat in Folge diffuser acuter Peritonitis sich im freien Raum der Bauchhöhle ange­sammelt hatte. — Chronische Bauchwassersucht als selbständige Krankheit kommt bei Pferden nicht vor. Nur in seltenen Fällen scheidet sich in Folge chronischer Herzkrankheiten eine massige Quantität von Serum in die Bauch­höhle ab, wodurch aber keine sichtbare Ausweitung des Bauches veranlasst wird. Ebensowenig verursacht die geringe Menge von Serum, welche sich bei abgemagerten alten oder kachectischen Pferden in die Bauchhöhle er-giesst, eine erkennbare Vergrösserung des Bauches. — Leber und Milz haben eine so versteckte Lage, dass selbst erhebliche krankhafte Ver-grösserungen derselben bestehen können, ohne den Bauchumfang in er­kennbarer Weise zu alteriren. — Dagegen bedingt die Trächtigkeit bei Stuten fast immer eine allmälig zunehmende sichtbare Vergrösserung des Bauches, der sich nicht blos nach unten, wie beim „Heubauch", sondern auch nach beiden Seiten ausdehnt. Nur bei denjenigen tragenden Stuten, welche täglich im anhaltenden Trabe (als Postpferde oder in ähnlicher Beschäftigung) benutzt werden, nimmt der Bauch in so geringem Masse an Umfang zu, dass die Vergrösserung lange Zeit unbemerkt bleibt und in einzelnen Fällen überhaupt nicht wahrgenommen wird, so dass die Geburt ganz unerwartet eintritt.

Die Vergrösserungen oder Verkleinerungen des durch die Bauart des Rumpfes bedingten Bauchumfangs sind von der Weite des Darmkanals und vorzugsweise des Dickdarms abhängig. Von geringem Einfluss ist auch die Dicke der ßauchwand, die bei intensiver Ernährung durch die Fettablagerung zunimmt. Reichliche Futteraufnahme bedingt bei den meisten Pferden eine Ausweitung des Darmkauais und in Folge desseneine Zunahme des Bauchumfangs. Pferde, die viel Rauffutter und wenig Körner verzehren, erlangen eine starke Vergrösserung des Bauches (Heu­bauch).

Viele Arten der Kolik sind mit der Anschoppung abnorm grosser i Quantitäten von Futterstoffen oder mit der Anhäufung von Gasen (Kohlen- ; wasserstoffgas) im Gastro-Intestinaltractus verbunden, wodurch die Bauch- * höhle nicht selten bis zum äussersten Masse ausgeweitet wird. Die chronische Ectasie des Magens, die als eine seltene Krankheit bei Pferden beobachtet wird, verursacht keine erkennbare Vergrösserung des Bauches. Bei den ebenso selten vorkommenden chronischen Ectasien des Blind­darms oder des Grimmdarms, bei welchen sich in der kranken Partie des Darms zeitweise Kohlenwasserstoffgas in grosser Menge anhäuft, er­langt der Bauchumfang oft eine erhebliche Zunahme. Das Abreissen der Bauchwandung vom Schambein oder von den falschen Rippen, wel­ches bei Pferden in Folge Niederstürzens oder heftiger Muskelanstrengung beim Festliegen zuweilen vorkommt, bedingt stets eine Vergrösserung des Bauchumfanges.

Die Verkleinerung des Bauches kann mit dem Körperbau und mit dem Gebrauche der Pferde im Zusammenhang stehen. Diejenigen Pferde, 1 bei welchen die falschen Rippen kurz und flach sind, zeigen bei an- > strengendem Gebrauche stets eine Verminderung des Bauchumfangs. 5 Dieselbe Wirkung hat bei Pferden mit langer Mittelhand die anhaltende Verwendung in schneller Gangart. Bei andauerndem Appetitmangel bleibt der Bauch klein, selbst wenn die sonst gesunden Pferde nicht angestrengt werden, sondern im Stall stehen.

Schmerzhafte Empfindungen in den Hintergliedmassen veranlassen die Pferde, die Bauchmuskeln zu contrahiren (die Bauchhöhle zu ver- s kleinern), um die Körperlast von den Hintergliedmassen möglichst zu entfernen.

Sowohl die essentiellen, als die bei anderen Leiden entstehenden Affectionen der Magen- und Darmschleimhaut bedingen bei längerer Dauer eine Verkleinerung des Bauches in dem Masse, als die Futter­aufnahme verringert ist. Auffällig wird die Verminderung des Bauch- i umfanges bei anhaltendem Durchfall und bei peritonitischen Zuständen. | Abweichend von diesen Befunden verhält sich der Bauch bei der Darr- | sucht der Fohlen, bei welcher oft während mehrerer Monate eine relativ ] starke Ausweitung des Intestinaltractus und bezw. des Bauches fort­besteht, obschon die Thiere nur wenig Rauffutter verzehren und das Kernfutter fast ganz verschmähen.

Peristaltik. Sowohl eine Steigerung, als eine Verminderung der Peristaltik des Gastro-Intestinaltractus wird bei Pferden sehr oft beob­achtet. Bedingt wird die Peristaltik durch die Impulse, welche die nervösen Apparate an die Muskulatur der Magen- und Darmwandung abgeben. Die gesteigerte Erregbarkeit der Darmganglien kann durch vielfache Einflüsse verursacht sein. Aeusserlich bekundet sich dieselbe durch eine vermehrte Ausscheidung der Darmexcremente. Bekannt ist in dieser Hinsicht die Wirkung vieler Nahrungsmittel (Grünfutter, Kleie, Schlempe, Mohrrüben, rohe Kartoffeln etc.) und vieler Arzneipräparate. — Die Verminderung der Darmperistaltik tritt beim Uebergang von der Grünfütterung zur Trockenfütterung ein. Auch Medicamente (Narcotica und Adstringentia) beschränken die Peristaltik. — Viele Pferde bekunden in Folge der Anstrengung in beschleunigter Gangart eine gesteigerte Bewegung des Darms.

Zu diagnostischen Zwecken Jässt sich sowohl die Intensität als der Umfang der Darmperistaltik durch die Auscultation des Bauches er­mitteln, welche beim Stehen und beim Liegen des Pferdes leicht aus­führbar ist. Hierbei wird das Ohr an die zweckmässig vorher mit einem Tuche bedeckte Bauchwandung gehalten, gewöhnlich in der Flanken­gegend. Für Anfänger in der Praxis mag die Bemerkung nicht über­flüssig sein, dass man durch die Auscultation des Bauches dicht vor der Kniescheibe leicht gestossen werden kann, wenn die Pferde den be­treifenden Hinterschenkel emporheben.