Da die Palpation der Herzgegend die Herzfunction und ihre Störungen nicht bei allen Pferden gleich deutlich ergiebt und bei vielen Pferden überhaupt keine Resultate liefert, so tritt dieselbe als Untersuchungsmethode in ihrem Werthe weit hinter die Auscultation des Herzens zurück. Durch letztere sind die „Herztöne" und „Herzgeräusche" zu ermitteln, deren besondere Begriffe von Skoda zuerst klargestellt worden sind. Laennec unterschied noch „normale Herzgeräusche" und „abnorme Herzgeräusche".
Behufs der Auscultation des Herzens ist das Pferd von einem Gehülfen am Kopf zu halten und der Sachverständige legt das linke Ohr auf die mit einem Tuche bedeckte Gegend der Mm. anconaei. Oder der Gehülfe ergreift das Carpalgelenk der linken Vordergliedmasse und zieht letztere nach vorn, worauf der Sachverständige das rechte Ohr auf die 5. oder 6. Rippe der Regio Cordis legt.
Die Entstehung des ersten Herztons fällt mit der Systole zusammen (systolischer Ton) und ist auf die Anspannung der links- und rechtsseitigen Atrio-Ventricularklappen zurückzuführen. Dadurch, dass das Blut der Kammern bei der Systole heftig gegen die genannten Klappen gepresst wird, kommt die tonartig charakterisirte Spannung zu Stande. Viele Autoren vertreten hiergegen nach C. Ludwig die Ansicht, dass der erste Herzton durch die Oontraction des Herzmuskels erzeugt werden und einen Muskelschall darstellen soll. Zur Zeit dauert die Besprechung dieser Meinungsverschiedenheit unter den Physiologen noch fort und beide Theorien werden auf die Resultate experimenteller Studien gestützt. Viel Anklang findet auch die von namhaften Autoren versuchte Ver-mittelung beider Ansichten, welche dahin geht, dass der erste Herzton theils durch die Oontraction des Herzens, theils durch die Spannung der Mitral- und Tricuspidalklappen seine Entstehung finden soll.
Von dem zweiten Herzton wird seit mehreren Decennien ohne Widerspruch anerkannt, dass derselbe durch die Anspannung der beiden halbmondförmigen Klappen an der Aorta und an der Lungenarterie bei oder unmittelbar vor der Diastole entsteht (diastolischer oder prädiastolischer Ton). Jeder Herzton setzt sich hiernach aus zwei Einzeltönen zusammen, die aber bei der gewöhnlichen klinischen Untersuchung der Pferde nicht unterschieden werden können. Die relativ ungünstige Lage des Herzens bei Pferden bringt es mit sich, dass durch die gewöhnliche Auscultation nur der linksseitige Antheil sowohl an dem ersten, als an dem zweiten Herzton zu ermitteln ist.
Das Intervall zwischen dem ersten und zweiten Herzton ist de norma kürzer, als die Zeit zwischen dem zweiten Ton eines Herzschlags und dem ersten Ton des folgenden Herzschlags. An diesem Verhältniss ist die Unterscheidung zwischen dem ersten und zweiten Herzton in der Regel leicht zu machen. Schwierig kann die Unterscheidung bei Arhythmie des Herzschlags sein. Für solche Fälle gewährt die mit der Auscultation des Herzens zu verbindende Palpation der Arteria brachialis einen wesentlichen Anhalt. An der Arterie ist der Puls einen kurzen Augenblick nach dem systolischen Herzton, und immer, auch wenn der systolische Ton ganz ausfällt, vor dem diastolischen Ton zu fühlen.
Die Stärke der Herztöne gestaltet sich bei gesunden Pferden verschieden, was. zum Theil durch die Grösse des Herzens, vorzugsweise aber durch die Dicke einschliesslich des Fettreichthums und die besondere Gestalt der Brustwandung bedingt ist. Abgesehen von diesen physiologischen Verschiedenheiten macht sich eine Abschwächung der Herztöne bei den allerdings nicht häufigen serösen und eiterigen Ergüssen in den Herzbeutel und zuweilen beim Hydrothorax bemerklich. Pleuritische Reibungsgeräusche, sowie laryngeale und tracheale Rasselgeräusche behindern nicht selten die deutliche Eruirung der Herztöne.
Der erste Herzton klingt normalmässig etwas tiefer (dumpfer), als der zweite. Sehr häufig haben die Herztöne bei Krankheiten des Pferdes (Pferdestaupe, Vergiftungen, Wundfieber) einen metallischen Beiklang, welchem indess weder ein besonderer diagnostischer, noch ein prognostischer Werth beigelegt werden kann. Die Ursache desselben scheint darin zu liegen, dass die Herzmuskulatur unter den angedeuteten pathologischen Verhältnissen die Töne besser, als sonst fortleitet. Erhebliche Insufficienz der Mitralklappe bewirkt zuweilen, dass der verstärkte zweite Herzton einen klingenden Charakter hat, während entgegengesetzt bei fehlerhaften Zuständen am Aorten-Ostium der erste Herzton diese Eigenschaft bekundet.
Die Herzgeräusche werden unterschieden in „endocardiale" und „perieardiale". Letztere finden ihre Entstehung an der Aussenfläche des Herzens und resp. am Herzbeutel, während die ersteren durch abnorme Zustände innerhalb des Herzens und im Anfangstheil der grossen Arterien zu Stande kommen. In der Medicin ist es üblich, die durch organische Herzkrankheiten (Circulations-Hindernisse) bedingten Herzgeräusche als „organische" zu bezeichnen, im Gegensatz zu den „anorganischen Geräuschen", welche ohne Behinderung des Blutstroms entstehen, selbst bei gesunden Herzen (ungleichmässige Schwingungen der Klappen) eintreten können. — Für die endocardialen organischen Geräusche ist die nächste Ursache darauf zurückzuführen, dass das Blut bei seiner Strömung durch das Herz auf Hindernisse stösst und hierdurch in eine Wirbelbewegung geräth. Die in dieser Art bedingte abnorme Oscillation einer kleinen Blutmenge pflanzt sich auf das Herzfleisch und von diesem auf die Brustwand fort, an welcher sie durch Auscultation wahrgenommen werden kann. Die endocardialen Geräusche treten entweder mit der Systole oder mit der Diastole hervor (systolische und diastolische Geräusche). Von den systolischen Herzgeräuschen gilt im Allgemeinen, dass sie lauter und besser accentuirt sein sollen, als die diastolischen, die dafür etwas länger anhalten. Diastolische Herzgeräusche kommen nur bei Circulationsstörungen im Herzen (besonders bei Klappenfehlern) zu Stande, während systolische Geräusche auch ohne organische Herzfehler verursacht sein können. Nach ihren besonderen Eigenschaften sind die endo-cardialen Herzgeräusche bei Pferden sehr verschieden; zumeist hören sie sich schwirrend, summend oder blasend an. Einmal fand ich bei einem vierzehnjährigen, mittelgrossen Wallach mit jedem 4. bis 7. Herzschlag ein laut tönendes, langgezogenes diastolisches Geräusch.
Pericardiale Geräusche kennzeichnen sich als Reibungsgeräusche und werden bei der Brustseuche, bei penetrirenden Wunden in der Region des Brustbeins und bei sonstigen exsudativen Herzbeutel-Entzündungen gefunden.
b. Arterien. Die Untersuchung des Arterienpulses ist bei Pferden der Regel nach an der Art. maxillaris externa zu bewirken. Nur ergänzungsweise oder in Fällen, in welchen durch Schwellung des Kehlganges diese Arterie nicht zu palpiren ist, oder bei unruhiger Haltung des Kopfes kann die Art. brachialis zur Feststellung der Frequenz und einiger anderer Eigenschaften des Pulses dienen. Das bedingende Moment des Arterienpulses liegt im Herzschlag, dessen Verhalten demnach, wie seit dem Alterthum bekannt ist, sich zum grossen Theil nach der Qualität des Arterienpulses beurtheilen lässt. Was ich über die ursächlichen Bedingungen des Herzschlags und seiner Anomalien hervorgehoben habe, findet daher auch auf den Arterienpuls Anwendung. Begrifflich umfasst der Arterienpuls, oder wie schlechtweg gesagt wird, der Puls die Eigenschaften der Blutwelle und des Arterienrohrs (der Wandung). Eine genaue Analyse des Pulses lässt sich nur durch die Anwendung künstlicher Apparate (Sphygmometer, Sphygmograph und Sphygmoskop) gewinnen, die aber für die thierärztliche Praxis nicht benutzt werden können. Die beim Puls in Betracht kommende Bewegung deß Blutes und des Arterienrohrs setzt sich zusammen aus der primären Pulswelle, der Rückstoss-elevation und den Elasticitätselevationen.